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Das romantische Ich

Im 19. Jahrhundert kommt es aufgrund tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen und schwindender Glaubensüberzeugungen zu einer Werteverschiebung.
Fantasie und Gefühl werden nun höher bewertet als Verstand bzw. Vernunft. Man ist der Ansicht, das Gefühl sei zuverlässiger als die Vernunft, da sich der menschliche Geist im Laufe der Zeit verändert, während das Herz gleich bleibt. Fantasie und Gefühl, diese beiden sehr persönlichen Qualitäten, führen zwangsläufig dazu, daß sich der Mensch ganz auf sich konzentriert, was eine gewisse Egozentrik mit sich bringt.

Selbstbetrachtung

Man betrachtet sich selbst sehr genau und betont vor allem das Besondere, das Außergewöhnliche. Aus dieser narzisstischen Haltung heraus entstehen zahlreiche Bekenntnisse und autobiografische Romane.
Victor Hugo jedoch meint:
Narr, der Du glaubst, ich sei nicht Du
[Insensé, qui crois que je ne suis pas toi! )

Runge, 1802 - Selbstporträt

Selbstbehauptung
Originalität der eigenen Umgangsformen, Kleidung und Sprache.
Originalität der eigenen Lebensführung, der gesellschaftlichen Beziehungen.
Verteidigung der eigenen Freiheit, wobei dies manchmal mit Trotzhaltungen gegen die Gesellschaft bzw. das Bürgerliche einhergeht.

Selbstwert- und Überlegenheitsgefühl
Man ist sich seiner eigenen Genialität bewusst, auch wenn sie von der Gesellschaft nicht anerkannt wird. Delacroix, 1840 - Selbstporträt
Vorrang des Einzelnen vor de Gesellschaft
Man hält die individuellen Rechte für wichtiger als die Rechte der Gesellschaft gegenüber dem Einzelnen. Zum Beispiel in der Liebe:
–   Zwei Wesen, die von Menschen getrennt werden, haben das Recht, sich vor Gott zu verbinden.
–   Zwei Wesen, die ohne Liebe verbunden wurden, haben das Recht, diese Verbindung als nichtig zu betrachten.
 

Melancholie / Kämpfe / Europäische Kunst

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